GENET – Adi Gudem, Äthiopien

Name: Genet Gebru | Alter: 26 Jahre | Geburtsort: (keine Angabe) | Wohnort: Adi Gudem | Familienstand: Verheiratet | Kinder: Ein Sohn (Jonathan) | Arbeitsplatz: AdiGudem Primary Hospital

Ich bin Hebamme geworden, weil es meine Berufung ist, mich um Mütter und ihre Neugeborenen zu kümmern. Meine Mutter fragte mich: „Du studierst Geburtshilfe?“ Ich sagte ihr: „Ich will keine tote Mutter mehr sehen.“ Sie sagte: „Wenn es das ist, was du willst, in Ordnung. Aber es kann ein stressiger Job sein.“ Ich habe ihr gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen muss. Diese Arbeit macht mich glücklich. Trotz aller Herausforderungen, die damit verbunden sind. Als Hebamme bin ich Fürsprecherin für Mütter, die jede Unterstützung bekommen sollten, die sie brauchen.

KANCHAN – Rautbesi, Nepal

Name: Kanchan Mala Shrestha | Alter: 45 Jahre | Geburtsort: Bhutan (aufgewachsen und schulisch ausgebildet in Indien; Eltern Nepali) | Wohnort: Rautbesi, Nepal | Familienstand: Verheiratet (Ehemann war zu Drehzeiten noch am Leben) | Kinder: Drei (zwei Töchter, ein Sohn) | Arbeitsplatz: Rautbesi Health Post

Die Leute hier verstehen jetzt, dass auch Frauen etwas lernen müssen. Vielleicht wurde ich auch zu einem Vorbild. Leute haben angefangen, ihre Töchter zur Schule zu schicken, jetzt gibt es Mädchen in unserem Dorf, die einen Abschluss haben.Natürlich hat meine Arbeit Auswirkungen auf meine Familie. Ich sage jeder Mutter, dass sie ihr Baby zwei Jahre lang stillen soll. Selber habe ich es aber nicht gemacht. Ich musste arbeiten und meine Kinder tagelang alleine lassen, bei meinem Mann. Meine Kinder haben vieles verpasst. Das hat Spuren hinterlassen.

HAJJA – Casablanca, Marokko

Familienstand: Verwitwet (Ehemann vor 20 Jahren verstorben) | Kinder: Drei (zwei Söhne, eine Tochter) | Arbeitsplatz: Maison de Naissance Tissir, Casablanca (von ihr gegründet)

Man kann nie vorhersagen, ob eine Geburt reibungslos verläuft. Auch wenn alles in Ordnung zu sein scheint, kann es sich jederzeit ändern. In diesen Augenblicken des Wartens vergisst man die ganze Welt. Man sieht nur die Frau, die gebären wird. Das Baby muss zur Welt kommen. Das ist das Wichtigste.

Es geht darum, immer verfügbar zu sein. Ich wusste, wenn ich ein Geburtshaus eröffne, dann muss ich dort oder in der Nähe wohnen. Es ist unmöglich, in einem Geburtshaus zu arbeiten und weit weg zu wohnen. Was ist bei Regen oder Kälte? Mit dem Auto kannst du einen Unfall haben und kommst vielleicht nicht rechtzeitig an. Aber die Frau war auf dich angewiesen. Die Frauen verlassen sich auf dich wie auf eine Dorfhebamme, jemanden, der in der Nähe und schnell verfügbar ist.

Ich bin gläubig, ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe nur Angst, dass ich einen Herzinfarkt bekomme, und dass niemand der Frau bei der Geburt hilft.

GUNDA – Neulengbach, Österreich

Name: Gunda Gutscher | Alter: 57 Jahre | Geburtsort: Hausgeburt, ca. 8 km vom heutigen Wohnort entfernt | Wohnort: Inprugg (bei Neulengbach) | Familienstand: Verheiratet | Kinder: Drei (zwei Söhne, eine Tochter) | Arbeitsplatz: Hausgeburtshebamme (Raum Neulengbach)

Das Wichtige in meiner Arbeit ist, Frauen darin zu unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden, wie sie in ihrem Rhythmus sich annähern an dieses Mysterium, und das so machen können, wie sie es brauchen. Und wie schön das dann ist, und du auch mit dem Kind eine andere Beziehung erlebst und aufnimmst. Weil die Mutter-Kind-Beziehung so ein wichtiges, dein ganzes Leben begleitendes Thema ist.

Die Geburt ist ein Erlebnis, wo du zwischen den Welten wechselst, wahrscheinlich so, wie wenn man am Ende des Lebens stirbt, das ist etwas Natürliches und Selbstverständliches und gleichzeitig ganz Besonderes, Individuelles.

Der Zugang, dass die Geburt etwas Natürliches ist und Physiologisches, ist eine Grundvoraussetzung für die Hausgeburtshilfe. Als Hebamme sehe ich es so, dass wenn eine Frau schwanger wird und sie die Schwangerschaft normal durchlebt und alles sozusagen seinen richtigen Weg geht, sie ihr Baby auch gut bekommen wird. Eine Geburt ist ein natürlicher Prozess im Leben einer Frau, der per se funktioniert, da brauche ich nichts zu verbessern und da muss ich nichts messen. Das wird einfach passieren.

In Österreich ist die Hausgeburtsrate unter zwei Prozent. Das heißt, es ist ein sehr kleiner Teil der Frauen, die in diesen Luxus kommen, dass sie eine Hebamme für sich allein haben, die sie schon in der Schwangerschaft regelmäßig sehen und zu der sie Vertrauen aufbauen. Eine Eins-zu-Eins-Betreuung wäre eine sehr förderliche Maßnahme, Geburten zu vereinfachen, wie Studien belegen.

Wenn die Frau ins Spital geht, ist sie eigentlich die, die sich den Hausregeln unterwerfen muss, und wenn wir zur Frau gehen, ist es umgekehrt, da passiert etwas in der Hierarchie und in der Beziehung.Wir Frauen müssen damit leben, dass man uns nichts zutraut und glaubt, dass wir das nicht zu Wege bringen. Das ist es eigentlich, was Hebammen Frauen auch vermitteln können: Du kannst das. Du bist schwanger, du wirst ein Kind auf die Welt bringen. Du wirst gut für dein Kind sorgen, du wirst eine gute Mutter sein. Du bist genau für dieses Kind der richtige Mensch und ihr gehört zusammen.

SHEILA – Rio de Janeiro, Brasilien

Name: Sheila Santos | Alter: 55 Jahre | Geburtsort: Tijuca, Rio de Janeiro | Wohnort: Vila Valqueire, Rio de Janeiro | Familienstand: Verheiratet | Kinder: Keine | Arbeitsplatz:Casa de Parto David Capistrano (Geburtshaus) Hospital Maternidade Leila Diniz (Klinik)

In unserer Arbeit auf der Entbindungsstation geht es immer um das Leben. Ein Leben kommt, und wenn es wieder geht, ist es sehr schwer. Wenn ein Baby zu früh geboren wird, kämpfen wir um sein Überleben. Es wurde vielleicht zu früh geboren, aber es will trotzdem leben. Du versuchst, dem Baby das zu geben, was es will: leben. Wenn du das nicht schaffst, ist es sehr schwer. Du erlebst selbst einen großen Verlust. Du denkst immer, du wärst darauf vorbereitet, aber das bist du nicht.

Ein neues Leben wird willkommen geheißen, und das ist meine Verantwortung, ich begleite Frau und Kind auf ihrem Weg zur Geburt.

Wir können nicht sagen, wann die Geburt passieren wird. Wir müssen einfach warten. Die Frau ermutigen, daran zu glauben, dass sie es schafft. Dass sie die Kraft hat und das Durchhaltevermögen, dieses Kind gesund zur Welt zu bringen. So wie sie es will.Das versuche ich ihr zu vermitteln: Dass sie ihren eigenen Körper, ihre eigenen Bewegungen verstehen kann. Dass sie die Kraft hat, dieses Kind zu empfangen. Das ist meine Rolle: Sie zu unterstützen.